Bilanz 2015 - Ausblick 2016:
Chemie mit geringer Wachstumsdynamik

Die deutsche Chemie-Industrie hat das abgelaufene Jahr 2015 mit einer durchwachsenen Bilanz abgeschlossen. Zwar ist die Beschäftigung stabil und die Produktion leicht im Plus, die Preise dagegen sind rückläufig und der Umsatz stagniert. Für ein besseres Ergebnis fehlten durchgreifende Impulse aus der Weltwirtschaft. Richtet man den Blick auf das neue Jahr, so sind die Aussichten für eine Belebung des deutschen Chemie-Geschäfts relativ verhalten.

Eher seitwärts als aufwärts

In der Chemie-Branche setzt sich die Serie bescheidener Wachstumsjahre nunmehr seit dem Jahr 2012 nahtlos fort. Auch in 2015 war der Produktionsanstieg nach vorläufigen Daten mit 1 Prozent ausgesprochen moderat. Ohne Pharmazeutika sank das Mengengeschäft sogar um 0,5 Prozent. Die Kapazitätsauslastung lag bei 83,3 Prozent und damit unter dem Durchschnitt der laufenden Dekade. Die Zahl der Beschäftigten ist im Jahr 2015 leicht um 0,5 Prozent auf 447.000 angestiegen (amtliche Abgrenzung). Der Jobaufbau kam aber in der zweiten Jahreshälfte zum Erliegen.
 
Der Blick auf die einzelnen Sparten zeigt, wie unterschiedlich das Jahr 2015 in den verschiedenen Geschäftsfeldern verlaufen ist. Im Pharma-Sektor (+4,5 Prozent) sowie bei den Fein- und Spezialchemikalien (+1,5 Prozent) setzte sich der Aufwärtstrend des Vorjahres fort. Ein Plus gab es auch bei den anorganischen Grundstoffen (+1 Prozent). Dagegen verzeichneten der Polymer-Bereich (-0,5 Prozent) und auch die Petrochemikalien (-2,5 Prozent) Rückgänge. Am stärksten wurde die Produktion bei den konsumnahen Chemikalien (Seifen, Wasch- und Reinigungsmittel) gedrosselt (-3,5 Prozent).
 
Verkaufspreise sinken, Umsatz stagniert
 
Bei rückläufigen Preisen von minus 2,5 Prozent lag der Branchenumsatz trotz der gestiegenen Produktionsmenge lediglich auf dem Niveau des Vorjahres (191 Milliarden Euro) und stagnierte damit bereits im zweiten Jahr in Folge.
Das Inlandsgeschäft verlief im abgelaufenen Jahr schwach. Verhaltene Nachfrage und negative Preiseffekte führten dazu, dass der Inlandsumsatz um 1,5 Prozent schrumpfte. Der Auslandsumsatz legte hingegen leicht um 1 Prozent zu. Impulse kamen dabei insbesondere durch die Exporte nach Übersee, die von der Euro-Abwertung gestützt wurden. Beim Europa-Geschäft waren die Umsatzerlöse trotz Mengenausweitungen dagegen rückläufig.
Eine besondere Rolle spielt gegenwärtig die Entwicklung der Erzeugerpreise. Seit 2012 sind die Verkaufspreise für Chemie-Erzeugnisse im Jahresvergleich ständig gesunken. Ausschlaggebend hierfür ist der Preisrückgang beim Rohöl. Bei hohen Kapazitäten im Markt und nur verhaltener Nachfrage müssen die Chemie-Unternehmen die Entlastungen durch niedrigere Rohstoffkosten weitestgehend an die Kunden weitergeben. So sind die Chemikalienpreise im Jahr 2015 erneut um 2,5 Prozent gesunken.
 
Kein Anlass für Konjunktur-Optimismus
 
Noch kann sich die deutsche Chemie-Industrie in einem zunehmend schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld behaupten. Allerdings fehlen Anlässe für einen stärkeren Konjunktur-Optimismus: Trotz der allmählichen wirtschaftlichen Erholung in Europa rechnen die Unternehmen der Chemie-Branche nicht damit, dass sich die Geschäfte in den kommenden 6 Monaten spürbar verbessern. Verunsicherung besteht hinsichtlich der Robustheit der globalen Entwicklung. Die Schwäche der Schwellenländer prägt derzeit die Weltkonjunktur. Russland und Brasilien befinden sich in einer Rezession und die chinesische Wirtschaft verliert an Dynamik.
Im Segment der Basischemie befürchten die Unternehmen zudem weitere Überkapazitäten im Weltmarkt, die durch den massiven Ausbau der Produktion im Nahen Osten, in China und in den USA entstehen. Dies erhöht den Importdruck und stellt die Wettbewerbsfähigkeit dieser Sparte, die 46,5 Prozent am Produktionswert der Gesamtbranche ausmacht, auf die Probe. 
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) erwartet für 2016 eine Fortsetzung des moderaten Trends in der deutschen Chemie-Konjunktur. Danach soll die Chemie-Produktion leicht um 1,5 Prozent zulegen. Bei gleichbleibenden Erzeugerpreisen dürfte der Umsatz somit ebenfalls um 1,5 Prozent ansteigen. Impulse werden dabei vor allem aus dem Auslandsgeschäft erwartet.
 
Ernüchternde Entwicklung in der Industrie
 
Die chemische Industrie ist eine Vorleistungsgüter produzierende Branche. Deshalb lohnt der Blick auf die Gesamtsituation der deutschen Industrie. Die Industrieproduktion in Deutschland dürfte 2015 lediglich um rund 0,5 Prozent gestiegen sein und auch für 2016 zeichnet sich nur ein flacher Aufwärtstrend ab.
 
Diese — nunmehr seit 2012 anhaltende — geringe Wachstumsdynamik der deutschen Industrie ist ernüchternd, denn viele Rahmenbedingungen sind derzeit günstig: das niedrige Zinsniveau, der abgeschwächte Euro-Kurs und die niedrigen Rohstoffpreise. Im Gegensatz zu vielen früheren Konjunkturzyklen wird das Wirtschaftswachstum in Deutschland gegenwärtig vom privaten Konsum gestützt. Investitionen und Exporte entwickeln sich hingegen weniger dynamisch. Die Kapazitätsauslastung ist in vielen Industriebranchen noch immer niedrig. Die Unternehmen halten sich angesichts eines weiterhin unsicheren globalen Umfeldes mit Investitionen in Deutschland zurück. Ohne ausreichende Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in moderne Produktionstechnologien wird es jedoch schwieriger, die Produktivität zu steigern und im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Deutschland benötigt deshalb dringend eine industriepolitische Initiative, um das Investitionsklima wieder zu verbessern.   


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