BDA-Publikation:
Fakten statt Zerrbilder

Deutschland geht es wirtschaftlich so gut wie schon lange nicht mehr. Trotzdem scheint die vermeintlich 'prekäre' Beschäftigung wieder dominierendes Thema im beginnenden Bundestagswahlkampf zu werden. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hat sich dieses Themas angenommen und vielen Zerrbildern die Fakten gegenübergestellt. Lesen Sie hier die wichtigsten Aussagen im Wortlaut:

Flexible Beschäftigung schafft Jobs

'Für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind flexible Beschäftigungsformen (geringfügige Teilzeit, Minijob, Zeitarbeit, Befristung) der einzig mögliche Einstieg in Erwerbstätigkeit. Entgegen zahlreicher falscher Behauptungen insbesondere von Gewerkschaftsseite gab es in den vergangenen zehn Jahren keine Ausweitung von flexiblen Beschäftigungsformen. Zwischen 2006 und 2015 waren rund 14 Prozent der 15- bis 64-Jährigen flexibel beschäftigt. Deutlich gestiegen ist aber der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter, die einem sogenannten Normalarbeitsverhältnis nachgehen: von 40 auf 47 Prozent. Der Anteil derjenigen, die arbeitslos sind beziehungsweise keiner Beschäftigung nachgehen, ist erfreulicherweise von 33 auf 26 Prozent gesunken. Gerade flexible Beschäftigungsformen haben in der Vergangenheit dazu beigetragen, dass viele Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose den Weg zurück in den Arbeitsmarkt gefunden haben. Im Jahr 2015 waren über 40 Prozent der abhängig Beschäftigten ohne Berufsausbildung in flexiblen Beschäftigungsverhältnissen tätig.'

Teilzeit fast immer aus privaten Gründen gewollt

'Wie widersinnig es ist, gegenüber der unbefristeten Vollzeittätigkeit alle anderen Beschäftigungsverhältnisse als 'atypisch' oder gar 'prekär' herabzuqualifizieren, macht das Beispiel der Teilzeitbeschäftigung ganz besonders deutlich: In den vergangenen Jahren ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen erfreulicherweise deutlich gestiegen. Sehr viele Mütter entscheiden sich nach der Elternzeit bewusst und aus unterschiedlichsten Gründen für eine Teilzeittätigkeit. In der Regel sind besondere Wünsche des Arbeitgebers da gar nicht im Spiel. Die Ausweitung der Teilzeit war daher auch politisch gewollt: Im Jahr 2001 wurde der rechtliche Anspruch auf Teilzeit gesetzlich verankert. Über 80 Prozent der teilzeitbeschäftigten Frauen geben an, mit ihrer Arbeitszeit zufrieden zu sein.'

Zeitarbeit: ein vollwertiges Arbeitsverhältnis

'Zeitarbeit ist kein zweitklassiger 'Ersatzjob', wie oft behauptet wird, sondern ein vollwertiges Arbeitsverhältnis, das dem gleichen arbeits- und sozialrechtlichen Schutz wie andere Beschäftigungsverhältnisse unterliegt. Die Bezahlung erfolgt fast zu 100 Prozent nach Tarifvertrag mit der entsprechenden sozialen Absicherung. Zudem wird in der Zeitarbeit zu 90 Prozent in Vollzeit gearbeitet. Insgesamt findet auch keine Verdrängung von Stammbelegschaften durch Zeitarbeitnehmer statt. Vielmehr zeigen Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, dass Zeitarbeit zusätzliche Jobs geschaffen hat. (…)

Zeitarbeit ist eine wichtige Beschäftigungschance, vor allem für Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose. Für viele dieser Menschen wäre die Alternative zur Zeitarbeit oft nicht ein Beschäftigungsverhältnis beim Kundenunternehmen, sondern die Arbeitslosigkeit. Rund 53 Prozent der Zeitarbeitsstellen sind auf Helferniveau angesiedelt und gerade deswegen auch für Geringqualifizierte eine gute Joboption. Über 30 Prozent der Arbeitslosengeld-II-Empfänger, die aus Arbeitslosigkeit heraus eine Beschäftigung aufnehmen, finden über die Zeitarbeit in den Arbeitsmarkt zurück. Zeitarbeit ist für viele Menschen der Einstieg in eine Beschäftigung auch in anderen Branchen. Ein Viertel der Arbeitslosen, die in der Zeitarbeit einen Job finden, nimmt innerhalb eines Jahres eine Beschäftigung in einer Branche außerhalb der Zeitarbeit auf.'

Befristungen erleichtern Einstieg ins Berufsleben

'Befristete Arbeitsverhältnisse sind für Berufsanfänger und Berufsrückkehrer ein wichtiges und akzeptiertes Modell für den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Entsprechend sind Jüngere häufiger befristet beschäftigt als Ältere. Aber die wenigsten empfinden das als Problem, weil sie wissen, dass sie zum größten Teil anschließend übernommen werden. Tatsächlich sind die Übernahmequoten beachtlich gestiegen: In der Privatwirtschaft erhalten drei Viertel der befristet Beschäftigten (75 Prozent) eine Beschäftigungsperspektive im gleichen Betrieb, davon werden 42 Prozent direkt übernommen und 33 Prozent verlängert. (...) Grundsätzlich sind in der Privatwirtschaft über 60 Prozent der Arbeitsverträge bei Neueinstellungen unbefristet. Auch deswegen liegt der Anteil der befristeten Arbeitsverhältnisse an allen abhängig Beschäftigten seit Jahren unter 10 Prozent. (...)

Befristungen steigern die Einstellungschancen für Menschen ohne Berufserfahrung oder mit langer Erwerbsabstinenz und können Arbeitslosigkeit verhindern oder beenden. Sie ermöglichen somit soziale Teilhabe und verdienen Unterstützung in Politik und Gesellschaft und keine Diffamierung als 'atypisch'. Für Unternehmen sind Befristungen unverzichtbar, um gerade auch familienbedingte (temporäre) berufliche Auszeiten (z.B. aufgrund von Teilzeitarbeit oder Eltern- und Pflegezeiten) auszugleichen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erhöhen und somit die Erwerbsbeteiligung besonders von Frauen zu stärken. Je besser die betrieblichen Möglichkeiten sind, familienbedingte berufliche Auszeiten personalwirtschaftlich zu kompensieren, desto besser sind auch die Möglichkeiten, solche Modelle zur flexiblen Arbeitsgestaltung anzubieten.'

 

Die ausführliche BDA-Publikation 'Fakten statt Zerrbilder' können Sie hier herunterladen www.arbeitgeber.de 

 

 

Standpunkt

Margret Suckale
BAVC-Präsidentin

'Der deutsche Arbeitsmarkt ist robust - nicht zuletzt dank der Reformen der Agenda 2010. Flexible Beschäftigungsformen erhöhen die Chancen am Arbeitsmarkt und erleichtern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Zeitarbeit und befristete Beschäftigung verdrängen keineswegs Festeinstellungen, sondern unterstützen den (Wieder-)Einstieg ins Berufsleben. Diese Flexibilität müssen wir im Interesse von Unternehmen und Beschäftigten erhalten.'



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