ARBEITSQUALITÄT:
Fakten statt Zerrbilder

Die Versuchung ist groß: Wer sich mit der Qualität der Arbeit in Deutschland auseinandersetzt, läuft Gefahr, sich von öffentlichkeitswirksamen Negativbeispielen vereinnahmen zu lassen. Einzelfälle werden schnell verallgemeinert, unbeteiligte Unternehmen oder Branchen in Mithaftung genommen, sinnvolle Instrumente der Arbeitsmarkt- und Personalpolitik in Misskredit gebracht. Das Ergebnis sind Zerrbilder, die sich in den Köpfen verfestigen und im schlimmsten Fall zu politischen Fehlentscheidungen führen — mit negativen Auswirkungen auf Beschäftigung und Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Für eine sachgerechte Beurteilung der Lage sind keine emotionalen Zerrbilder, sondern belastbare Zahlen und Daten gefragt. Mit der Analyse »Arbeitsqualität in Deutschland — Fakten statt Zerrbilder« nimmt die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) Stellung zu gängigen Vorurteilen am deutschen Arbeitsmarkt. Nachfolgend ausgewählte Ergebnisse im Wortlaut.

Macht Arbeit krank?

»Sowohl die öffentliche Diskussion als auch die Forschung werden von einer eingeschränkten Perspektive auf die Beziehung von Arbeit und Gesundheit dominiert: Zum einen wird Arbeit auf ihr gesundheitsschädigendes Potenzial reduziert. Zum anderen liegt oft ein wenig reflektiertes Verständnis von Gesundheit vor, das einseitig nach Ursachen von Krankheiten sucht und gesundheitsförderliche Aspekte vernachlässigt. Die jährlich erhobenen Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) zeigen, dass Erwerbstätige signifikant zufriedener sind als arbeitslos gemeldete Personen. In der Regel hat Arbeit einen außerordentlich positiven Einfluss auf die Gesundheit und die persönliche Entwicklung des Einzelnen. Arbeit stabilisiert die Psyche des Menschen. Über die Sicherung des Lebensunterhalts hinaus kann Arbeit eine Quelle von Lebenssinn, Selbstvertrauen oder Zufriedenheit sein. (…) Die mit der Arbeitslosigkeit einhergehenden Belastungen können Stress erzeugen und gesundheitsriskantes Verhalten sowie das Auftreten von Erkrankungen begünstigen. Psychische Störungen treten nach Ergebnissen des Robert-Koch-Instituts (RKI) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (…) bei Arbeitslosen vermehrt auf. Nicht nur Arbeitslose, sondern Nichterwerbstätige insgesamt (…) leiden gemäß DAK-Studie deutlich stärker unter chronischem Stress als Erwerbstätige. Das psychische Wohlbefinden ist gemäß einer Studie des RKI bei Erwerbstätigen in Vollzeit am höchsten.«

Sind flexible Beschäftigungsformen prekär?

»Immer wieder wird behauptet, dass es sich bei den neu entstandenen Arbeitsplätzen der vergangenen Jahre um prekäre, also unsichere und zum Leben nicht ausreichende Arbeitsplätze handele. Dies ist falsch, denn gerade Teilzeitarbeit, befristete Beschäftigung oder Zeitarbeitsverhältnisse umfassen auch anspruchsvolle Tätigkeiten, die gut honoriert werden und die Beschäftigungsaussichten vieler Menschen verbessern. Dass durch flexible Beschäftigungsformen das ‚Normalarbeitsverhältnis‘ insgesamt nicht verdrängt wird (…), zeigt auch die Tatsache, dass der Anteil der ‚Normalarbeitnehmer‘ an der Gesamtbevölkerung zwischen 2006 und 2013 gestiegen ist, während der Anteil der flexibel Beschäftigten konstant geblieben ist. (…) Flexible Beschäftigungsverhältnisse leisten einen Beitrag zur Bewältigung steigender Flexibilitätsanforderungen und des wachsenden Wettbewerbsdrucks auf internationalen Märkten im Zuge der Globalisierung. Starrheiten im deutschen Arbeitsmarkt wie der rigide Kündigungsschutz können so abgefedert werden, um die notwendige betriebliche Flexibilität zu sichern. Unternehmen brauchen Flexibilität, um schnell auf punktuelle Auftragsspitzen reagieren zu können. Insbesondere durch Zeitarbeit und befristete Arbeitsverhältnisse werden Einstellungshürden gesenkt und Neueinstellungen bei noch unsicheren Zukunftserwartungen erleichtert. Damit sind Beschäftigungszuwächse auch bei vergleichsweise geringem Wirtschaftswachstum möglich.«

Ist die Arbeitsunzufriedenheit besonders hoch?

»Die Zerrbilder der Qualität der Arbeit in Deutschland in der öffentlichen Darstellung (…) beruhen meist auf Verallgemeinerungen negativer Einzelbeispiele (…). Alljährlich wird die Öffentlichkeit durch die Ergebnisse von Gewerkschaftskampagnen (…) oder auch durch Befragungen von Unternehmensberatungen (…) mit betont schlechten Ergebnissen bei der Arbeitszufriedenheit bzw. dem Engagement der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland aufgeschreckt (…). Die Fakten politisch und wirtschaftlich unabhängiger Institutionen hingegen zeigen die Wirklichkeit: Danach verzeichnet Deutschland international Spitzenwerte bei der Arbeitszufriedenheit. Die 2014 veröffentlichte gemeinsame Studie des Bundesarbeitsministeriums und des IAB belegt das hohe Engagement gerade auch des Mittelstands, durch ein mitarbeiterorientiertes Personalmanagement Arbeitsqualität und -zufriedenheit weiter zu steigern. Denn: Eine hohe Motivation der Arbeitnehmer liegt im ureigenen Interesse der Unternehmen, nicht nur um im globalen Wettbewerb weiterhin zu bestehen.« 



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