Tarifpolitik in der Chemie

Nicht zuletzt aus den Erfahrungen des letzten Chemie-Arbeitskampfes 1971 hat sich das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft in der chemischen Industrie sukzessive von Konflikt- zu Kooperationspartnern entwickelt. In der Folgezeit wurde das gegenseitige Vertrauensverhältnis über Jahrzehnte kontinuierlich ausgebaut und intensiviert. Die Chemie-Sozialpartnerschaft konnte bisher über zehn Präsidentschaften des BAVC und zwei Führungswechsel an der Gewerkschaftsspitze bewahrt und weiter verbessert werden.

Tarifpolitik in der chemischen Industrie ist einerseits geprägt durch modernisierte Flächentarifverträge, Öffnungsklauseln, außertarifliche Sozialpartnervereinbarungen, firmenbezogene Verbandstarifverträge und einen gemeinsam weiterentwickelten Europäischen Sozialen Dialog. Daneben liegt der Nutzen der praktizierten Sozialpartnerschaft im gemeinsamen Zugang zur Politik für Lobbyarbeit auf allen Ebenen (Europa/Bund/Länder/Kommunen). Als Erfolgsbeispiele hierfür gelten Themen wie REACH, Arbeitszeitkonten und Altersvorsorge.

Auch die während der langjährigen Zusammenarbeit entstandenen gemeinsamen Einrichtungen wie der Unterstützungsverein der chemischen Industrie (UCI, 1975), die Gesellschaft zur Information von Betriebsräten über Umweltschutz in der chemischen Industrie (GIBUCI, 1987) und die Weiterbildungsstiftung (WBS, 1993), der ChemiePensionsfonds (2001) sowie  die Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit (So.WIN, 2016) sind Belege für gelebten Pragmatismus.

Für die Mitgliedsunternehmen folgen aus dieser Form des sachlichen Umgangs erhebliche Praxiserleichterungen, z.B. durch Verfahrensabsprachen. Auch die Förderung des Betriebsfriedens und der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat spricht für den sozialpartnerschaftlichen Umgang in der Chemie-Branche. Schließlich liegt ein erheblicher betriebswirtschaftlicher Nutzen in der kumulierten Kostenersparnis der Unternehmen durch 37 Jahre Tarif-Frieden, vermiedene Arbeitskampfmaßnahmen und eine vernünftige Art der Konfliktbeilegung.

Die einzige Alternative zur sozialpartnerschaftlichen Tarifpolitik in der chemischen Industrie ist ein Konfrontationskurs, wie er in anderen Branchen und mit anderen Gewerkschaften permanent ausgetragen wird.



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